Plagiate und Präventionsmöglichkeiten

Dieser Beitrag zeigt, welche Plagiate es gibt, was diese vereint und wie sich Doktoranden vor dem unbeabsichtigten Plagiieren schützen können.

Woran erkennen Sie ein Plagiat?

Plagiieren ist die vorsätzliche Übernahme fremden geistigen Eigentums ohne Angabe der Quelle. Von der Vorsätzlichkeit einmal abgesehen, scheint das eigentliche Problem in der (unsauberen) Arbeitsweise zu liegen. Das Wissen um Plagiate sowie des richtigen wissenschaftlichen Arbeitens können helfen, diese zu verhindern. Was Plagiate sind, welche es gibt und wie Sie sich dagegen schützen ist Gegenstand dieses Beitrages.

Plagiieren ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine „wissenschaftliche Todsünde“ (Spoun 2011, 100) und dies sollte jedem Promovierenden aber auch Studierenden klar werden. Dabei handelt es sich bei einem Plagiat konkret um die „willentliche [!] Übernahme von Inhalten ohne Angabe des Urhebers bzw. der Urheber“ und demnach können verschiedene Formen identifiziert werden (Fröhlich 2006, 81f., Weber 2009, 49ff.):

Art des Plagiats

Kurzcharakteristik

Totalplagiat

unveränderte Übernahme fremder Texte ohne Quellenangabe

Teilplagiat

teilweise Übernahme sowie ein Verschnitt fremder Werke ohne Quellenangabe

Strukturplagiat

Übernahme der Struktur oder der Teile einer Argumentationskette einer fremden Arbeit ohne Angabe

Übersetzungs­plagiat

Übersetzung eines Werkes aus einer fremden Sprache ohne Angabe des Urhebers

Ideenplagiat

Übernahme von Ideen anderer ohne Kennzeichnung der Urheber

Bildplagiat

totale oder partielle Übernahme von Abbildungen ohne Nennung der Urheber

usw.

 

Zentrale Probleme von Plagiaten

Zentrales Problem eines jeglichen Plagiats bleibt die fehlende Angabe des Urhebers sowie die willentliche Täuschung – dabei ist Zitieren in der Wissenschaft erlaubt und sogar gewünscht. Die Verwendung von Zitaten im Rahmen wissenschaftlicher Arbeiten erfolgt im Kern aus den folgenden zwei Gründen (Spoun & Domnik 2004, 61):

1.    Respekt für fremde Ideen bzw. Gedanken (geistiges Eigentum eines Menschen; Urheberrecht)

2.    Einsatz von Zitaten als Unterstreichung eigener Argumente, Thesen oder Theoriebausteine im Hinblick auf die Darstellung der Anschlussfähigkeit und Legitimität der Ausführungen

Die Lösung ist somit relativ einfach: Jegliche Quelle, die zur Anfertigung einer wissenschaftlichen Arbeit dient, wird ordentlich zitiert.

Wo liegt also das eigentliche Problem? Abgesehen von der Vorsätzlichkeit, sind Unwissenheit, schlechte Zeit- und Arbeitsorganisation sowie mangelnder Ideenreichtum mögliche Probleme, die Plagiate begünstigen. Allerdings ist es für Dritte schwer zu erkennen, ob lediglich eine Quellenangabe vergessen oder willentlich und damit vorsätzlich weggelassen wurde. Hinsichtlich der rechtlichen Folgen wird freilich unabhängig davon geahndet, ob der Täuschungsversuch aus Bequemlichkeit, aus einer Notsituation heraus oder schlichtweg durch Unwissenheit erfolgte.

 

Wie kann man sich schützen?

Gegen die Unwissenheit – Zitationsregularien

Es ist unumgänglich, sich mit den Prinzipien des wissenschaftlichen Arbeitens des jeweiligen Fachbereiches sowie dessen Zitationsregeln vertraut zu machen. Hierfür gibt es in der Regel von jedem Lehrstuhl bzw. jeder Institution Richtlinien. Ist dieses nicht der Fall, kann man sich an den Vorgaben einschlägiger wissenschaftlicher Fachzeitschriften oder an international anerkannten Regelwerken orientieren, wie z. B. dem Stil der American Psychological Association (APA-Style) oder den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs). Hier ist u. a. auch geregelt, wie im Falle einer nicht verfügbaren Primärquelle sekundär zu zitieren ist. Ferner gibt es zahlreiche Bücher, die sich mit dem wissenschaftlichen Schreiben auseinandersetzen (siehe auch Literaturempfehlungen dieses Eintrags). Weitere Hilfen und Vorgehensweisen finden Sie auch hier im Blog.

Zeit- und Arbeitsorganisation

Abgesehen von möglichen formalen Fehlern, spielt vor allem die Zeit- und Arbeitsorganisation eine Rolle. Denn häufig wird (versehentlich) plagiiert, wenn die Zeit knapp wird oder der Doktorand einfach nicht mehr nachvollziehen kann, ob eine Notiz seine eigenen Gedanken widerspiegelt oder ein Zitat aus einer entsprechenden Quelle ist (Verlust des Quellenbezugs). Deshalb empfiehlt Andrea Bausch (Schreibberaterin der Universität Bayreuth) bereits beim Lesen darauf zu achten, dass angemessene Exzerpte erstellt werden, bei denen auch später noch nachvollzogen werden kann, was Inhalt und was eigene Gedanken sind. Exzerpte sollten deshalb die vollständige Bibliographie und das Datum, wann dieser Artikel gelesen wurde, enthalten. Ferner empfiehlt es sich, zwei Spalten zu verwenden. In die linke Spalte kommen indirekte und direkte Zitate des Textes in ganzen Sätzen (Stichpunkte sind unzureichend) und jegliche Anmerkungen, Kritiken, eigene Gedanken, Querverweise zu anderen Quellen etc. kommen ausschließlich in die rechte Spalte. So kann verhindert werden, dass fremdes Gedankengut zu vermeintlich eigenem wird. Des Weiteren geben Literaturverwaltungsprogramme (wie z. B. Citavi) die Möglichkeit Zitate und Notizen (getrennt) zu verwalten.

Desiderata eruieren – Ideen generieren

Eine eigenständige Qualifikationsarbeit zeichnet aus, dass neues Wissen geschaffen wird, d. h., man sollte mit seiner Fragestellung wissenschaftliches „Neuland“ betreten. Oft ist man allerdings nicht (gleich) mit der zündenden Idee gesegnet. Ein erster notwendiger Schritt ist es, den Forschungsstand zu kennen und Desiderata zu identifizieren. Ferner können Kreativitätstechniken helfen, Ideen zu produzieren und ggf. neue Forschungsfragen zu entwickeln. Mögliche Techniken und Methoden (z. B. Clustering, MindMaps, Concept-Maps, FreeWriting) findet man in der entsprechenden Literatur (s. a. Literaturempfehlungen).

Fazit

Plagiate bei der eigenen wissenschaftlichen Arbeit müssen nicht sein. Eine ordentliche Zeit- und Arbeitsorganisation sowie die Kenntnisse der Zitationsregeln der eigenen Forschergemeinschaft liefern das entsprechende Handwerkszeug, diese zu vermeiden. Verbunden mit der Eruierung von Desiderata und bei Bedarf des Einsatzes von Kreativitätstechniken zur Findung einer relevanten Forschungsfrage, sollten versehentliche Plagiate der Vergangenheit angehören.

Quellenangaben

Fröhlich, Gerhard (2006): Plagiate und unethische Autorenschaften. In: Information Wissenschaft und Praxis, 57(2), 81-89.

Spoun, Sascha & Domnik, Dominik B. (2004): Erfolgreich studieren. Ein Handbuch für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler. München u. a.: Pearson Studium.

Spoun, Sascha (2011): Erfolgreich studieren – Der unentbehrliche Wegbegleiter im Uni-Alltag. München u. a.: Pearson Studium.

Weber, Stefan (2009): Das Google-Copy-Paste-Syndrom. Wie Netzplagiate Ausbildung und Wissen gefährden. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Hannover: Heise.

Literaturempfehlungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, zur Ideenfindung und zum Wissensmanagement

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2008): Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. Schöningh.

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2012): Richtig wissenschaftlich schreiben. Wissenschaftssprache in Regeln und Übungen. Schöningh.

Kornmeier, Martin (2012): Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht. Für Bachelor, Master und Dissertation. Haupt.

Kruse, Otto (2000): Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. 8. durchges. Aufl. Frankfurt/Main: Campus.

Kruse, Otto (2010): Lesen und Schreiben: Der richtige Umgang mit Texten im Studium. UTB.

Reinmann, Gabi & Eppler, Martin J. (2007): Wissenswege. Methoden für das persönliche Wissensmanagement. Bern: Huber.

Scheuermann, Ulrike (2012): Schreibdenken. Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln. Opladen & Toronto: Barbara Budrich.

 

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