„Pläne gehen eh nicht auf!“ Die Doktoranden Akademie bei Docsteps 2014

Docsteps_Maria_MachonDr. María Machón  berichtet über ihren Vortrag „Hilfe, Doktorarbeit! Tipps und Hilfen für die Dissertation – Planung, Selbst- und Zeitmanagement“ bei der Messe Docsteps 2014 organisiert vom Marburger Bund, bei der sie die Doktoranden Akademie vertrat.

Ein Mediziner, voll angestellt im Krankenhaus, wird in einigen Monaten Vater. Seit zwei Jahren sind die Daten fertig analysiert. Es fehlt nur noch das Zusammenschreiben. Die kommende Vaterschaft ist ein guter Anlass, sich die Dissertation vorzunehmen. Ein Plan muss her!

“Aber wofür planen? Pläne gehen eh nicht auf!” Diese Frage höre ich häufig, wenn ich Promovierende bei ihrem Zeitmanagement in Workshops oder mit Coaching unterstütze. Auch der Mediziner stellte mir diese Frage. Und damit eignet er sich hervorragend als Beispiel. Denn im Grunde ist der Einwand völlig berechtigt: Die Realität sieht oft anders aus als der Plan. Daraus muss aber nicht unbedingt folgen, dass es sich deswegen nicht lohnt, zu planen. Und es war das Ziel des Vortrags, genau dieses zu erläutern.

Unser werdender Vater hatte zum Beispiel einige Unbekannten vor sich. Babies, wie Sie vielleicht wissen, kommen nicht immer dann zur Welt, wann es uns passt. Eine weitere Unbekannte: Wie lange kann ich nach der Arbeit in der Klinik noch an der Diss arbeiten? Und wie lange dauert es, eine Seite zu schreiben?

Zu jeder Unbekannten können wir eine Hypothese aufstellen, eine erste Schätzung, die wir in der ersten Arbeitsphase, der Testphase, überprüfen. Wenn sich diese Hypothesen als falsch erweisen, muss umgeplant werden, nun aber mit mehr Informationen, die wir aus dem Vergleich zwischen Plan und Realität ziehen können, also praktisch mit Hilfe „wissenschaftlicher Daten“. Somit sind wir in der Lage, einen zweiten, deutlich realistischeren und realisierbareren Plan zu erstellen.

In unserem Beispielfall waren die Schätzungen ziemlich realistisch. Die Testphase erwies sich gleich als sehr ergiebig. Dafür kam gleich danach spontan Besuch, eine ganze Woche lang, was den Plan verzögerte. Im Vortrag nickte das Publikum: wie typisch! Immer passiert etwas, was wir nicht vorhersehen konnten. In so einer Situation empfehle ich als  Lösung, Prioritäten zu setzen. Und dabei hilft die Frage: Was wäre das Besondere daran, das Ziel rechtzeitig zu erreichen, also im Fall des zukünftigen Vaters, die Dissertation vor der Geburt des Kindes beim Doktorvater abzugeben? Als höchste Prioritäten stellten sich zwei heraus: die „Denkarbeit“ vor der Geburt hinter sich zu haben und die absorbierende Neugeborenenphase auszunutzen, indem der Betreuer währenddessen die Arbeit liest und sein Feedback gibt. Also haben wir den weniger denkintensiven Teil der Arbeit verkürzt und damit konnte der Plan tatsächlich realisiert werden. Inzwischen hat der Betreuer sein Feedback gegeben und die verkürzten Teile sind so durchgekommen: Insgesamt hat die Priorisierung auch Zeit gespart.

In einer Übung konnten die ca. 50 Teilnehmer/innen gleich anfangen, ihre Hypothesen aufzustellen und ihre Pläne entsprechend zu gestalten. Damit waren sie bereit, ihre „Planungsexperimente“ zu starten und sie hatten den ersten Schritt in Richtung eines realisierbaren Plans gemacht.

Pläne sollen also nicht der Versuch sein, die Zukunft vorherzusagen, denn dabei wäre das Scheitern sicher vorprogrammiert. Pläne bieten stattdessen eine strukturierte, pragmatische Art, mit dieser Unvorhersehbarkeit umzugehen. Pläne motivieren Sie, wenn Sie davon ausgehen, dass Sie umplanen müssen. Treffen Sie Entscheidungen, prüfen Sie Hypothesen, bleiben Sie wendig und Ihre Pläne werden Ihren Weg deutlich verkürzen und angenehmer machen.

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